Kanzlerduell 2013 bei ProSiebenSat.1 mit Stefan Raab

Stefan Raab wird voraussichtlich das Kanzlerduell Steinbrück vs. Merkel im privaten TV bei ProSiebenSat.1 moderieren. Und was passiert? Die Facebook-, Twitter-, Blogger, und Medien-Welt steht diese Woche Kopf. Die Meinungen sind, wie immer, breit und vielfältig, von sachlich bis kurios, von pro bis contra und (leider) immer wieder dümmlich und polemisch. Lassen wir die beiden letzten Punkte mal weg, dann kann man die Kanzlerduell-Diskussion wie folgt kommentieren:

Raab ist ein Entertainer, ein Unterhalter, ein Quotenmann. Seine Sendeformate TV total, Quizboxen, Schlag den Raab, WOK-WM, Turmspringen oder Stock Car Crash Challenge mögen dem anspruchsvollen, intellektuellen Zuschauern die Nackenhaare zu Berge stehen lassen – in der Zielgruppe “Joe Public” von 16 bis 49 Jahren ist er angesagt wie kaum ein anderer. Das mag nun gefallen oder nicht – entscheidend sind die Quoten. Und die stimmen, meistens jedenfalls.

Raab ist ein Medienprofi. Er wird das tun, was ein Topp-Moderator macht: er wird sich gut vorbereiten und beraten lassen. Ganz sicher wird er eines nicht machen: Klamauk, dümmliche Witze oder Niedrigniveau-Comedy. Er wird die Chance nutzen, sich zu profilieren und dabei trotzdem “seine” Fans nicht verprellen. Und er wird eine echte Alternative bieten zu den Schaustens und Deppendorfs und freche Fragen stellen, vielleicht auch an der Grenze zur “political correctness”. Gut so! Raab selbst freut sich auf die Aufgabe, spricht von einer “visionären Idee” und von einer “dramatischen Verjüngung der Zuschauer”. Ich glaub´s ihm.

Sowohl für Merkel, als auch für Steinbrück ist das Raab-Kanzlerduell eine Chance, bei den jüngeren Zuschauern zu punkten und vor allem bei denen, die sie sonst überhaupt nicht erreichen würden. Das wird eine große Herausforderung für ihre Berater sein, keine Frage. Man kann und sollte sich auch fragen, welchen Stellenwert Politik bei uns aktuell hat. Warum gehen so wenig Menschen wählen? Bei der letzten Bundestagswahl haben nur 72,2 Prozent der Deutschen ihre Stimme abgegeben. Dabei ist das aktive Wahlrecht ein Privileg, das beileibe nicht überall auf der Welt selbstverständlich ist. Wahlen sind lebenswichtig für eine Demokratie. Auch deshalb unterstütze ich jedes Vorhaben, das den Menschen Politik näherbringt. Und weil sich die Medienwelt rasant verändert und weiter verändern wird, müssen sich auch Politiker verändern und neuen, augenscheinlich ungewöhnlichen und gewöhnungsbedürften Vorhaben, offen gegenüberstehen. Am Ende zählt der Erfolg – und der heißt: die Menschen erreichen und sie davon zu überzeugen, wie wichtig Politik für unser Gemeinwesen ist.

Am Ende eines jeden TV-Duells wird Bilanz gezogen und nach Siegern und Verlierern gefragt. Vielleicht heißt der Sieger dann Stefan Raab? In einem hat er schon heute gewonnen: seine Facebook-Fanpage hat mit über 310.000 mehr Fans als die von Peer Steinbrück und Angela Merkel zusammen.

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich habe Deinen Artikel aufmerksam gelesen und stimme Dir in vielen Punkten zu.Dennoch habe ich wirklich meine Schwierigkeiten mit Raab..bei verschiedenen Gelegenheiten hatte ich den Eindruck, dass er, als Selbstdarsteller, ein sehr schlechter Verlierer ist! Das mag im Duell vielleicht keine Rolle spielen ,hinterließ bei mir aber einen schlechten Beigeschmack!? Man muss halt sehen, was draus wird…

  2. @Roswitha: Ich bin überhaupt kein Raab-Fan. Beileibe nicht. Aber ich bin mir sicher, dass er die Menschen auf eine andere, wenn auch sehr gewöhnungsbedürftige, Art und Weise erreichen wird. Ich bin mir auch sicher: die Menschen werden in großer Zahl von den Bildschirmen sitzen – und sich so für Politik interessieren. Zwar nicht so, wie wir uns das wünschen, aber sie setzen sich damit auseinander. Wie lange müssten wir vor unseren Wahlständen stehen, um das zu erreichen??? Kurzum: ich bin sehr gespannt!

  3. Ich bin auch kein Raab-Fan und ich kann verstehen, dass die Moderation des Kanzlerkandiaten-Duells durch ihn kontrovers gesehen wird. @Roswitha: Ich denke, dass diese Moderation auch für Raab eine Herausforderung sein wird. In diesem Format wird er weniger Selbstdarsteller sein (können/wollen/dürfen), aber durch seine Art ganz neue Herausforderungen an die Politiker stellen. ich bin mir auch ziemlich sicher, dass es super Einschaltquoten geben wird – Politikinteressierte werden ohnehin zuschauen, egal, ob sie Raab mögen oder nicht, und hoffentlich wird das eintreten, was viele sich erhoffen: junge Menschen werden zuschauen, junge Menschen werden mobilisiert und interessiert, zumindest aber angesprochen. Es wird spannend und ich werde auf alle Fälle einschalten!

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